Bin da

Irgend etwas stink hier gewaltig. Wo bin ich? Wer sitzt da neben mir? Trägt die gleiche Brille wie ich. Guter Geschmack, schlechtes Deo. Was ich da durch das kleine Flugzeug-Fenster sehe, bereitet mir Sorgen: Schnee, Gletscher, zugefrorene Seen und Flüsse. Die haben mich also doch angelogen! Von wegen 30 bis 35 Grad im Sommer…. Es sieht da unten viel, viel kälter aus, als erwartet. Und ich Lölli hab doch Faserpelz und Snowboard zu Hause gelassen.

Etwas später sieht das Land unter dem S7.ru Flug nach Yaktusk wieder anders aus. Grüne Wälder, Flüsse und immer wieder kleine Seen. Wahrscheinlich bin ich wohl gerade über dem sibirischen Hochland aufgewacht. Geweckt durch den ungewohnten Geruch der mitreisenden Yakutier ( Horse-People). Ja ich kann mich noch erinnern: Da ist doch tatsächlich im Nebel von Moskau eine Stewardess durch das Flugzeug gerannt und hat Deo versprüht. Fünf Stunden später nützt nix mehr, bin trotzdem jetzt trotzdem wach.

Ich versuchte den Samstag wach zu bleiben. Was mir bis etwa 17 Uhr auch gelungen ist. Die Erkundung der Stadt musste ich auf Sonntag verschieben. Es weht zwar ein kühler Nordwind doch hat sich keine Wolke soweit nach Osten verirrt und es ist ausserhalb des Schatten wirklich angenehm warm.

Man merkt dieser Stadt an, dass sie erst jetzt langsam aus dem Winterschlaf erwacht. Erst vor drei Wochen hat es das letzte Mal geschneit. Der Schnee und das Eis sind inzwischen weg. Es ist der Stadt trotzdem anzusehen, dass sie während acht Monaten lebendig unter viel Weiss begraben ist: Strassen-Cafés gibt es keine, schöne Pärke lohnen sich nicht. Einzig der alte Lenin zeigt auch bei winterlichen minus fünfzig Grad wacker in die richtige Richtung.

Lenin zeigt

Lenin zeigt

Meine ersten Herausforderung (Busfahren, Brief abschicken und Bier bestellen) meistere ich soweit gut, wenn auch nur dank aktiver Mithilfe und Anstrengung aller Beteiligten (Спасибо).

Den ersten Tag verbringe ich mit Ausnahme von drei, vier flüchtigen Begegnungen isoliert. Da frage mich ich, warum ich mich selber in dieses Gulag abgeschoben habe. Erst das Riesenrad im Park „Einiges Russland“ (zufälliger Weise auch der Name von Putins und Medwedews Partei) kann mich aus der Isolation hieven. Ja, ich bin da – In der Stadt im Grünen.

Maurus guckt

Maurus guckt

Geschrieben in Jakutien | Kommentare aus

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